Strohbett im XXL-Format

von Neue Wege Miteinander / 14. Februar 2017 Frido, Schkopau, Schloss Löpitz

„Ich bin dann mal weg.“ Der Satz von Hape Kerkeling, der sich vor zehn Jahren auf den Jakobsweg zum Grab des Apostels Jakobus im spanischen Santiago de Compostela aufmachte, ist seitdem Gesetz für Pilger. Doch bei allem Wegsein fordern am Ende eines Tages die müden Beine endlich Ruhe. In Luppenau, eine 300-Seelengemeinde in der Aue des Saalekreises, hat man sich darauf eingestellt.

Der Verein „Neue Wege-Miteinander“ hat in seinem Domizil mitten im Dorfzentrum neben Schloss und Feuerwehr sowie nahe eines herrlich gelegenen Sees ein Hochbett im XXL-Format gebaut. Im Stroh haben bis zu zehn Personen Platz, erklärt Vereinsvorsitzende Gudrun Woitke. Die Pilgernden sollen sich wie zu Hause fühlen, darum gibt es frische Handtücher und einen gefüllten Kühlschrank für eine kleine Spende. Die Waschmaschine darf ebenso benutzt werden wie die Küche. Und die Dusche, dass weiß Gudrun Woitke, werde sehr gern in Anspruch genommen.

Seit dem Sommer ist die Vereinsstätte namens „Frido“ anerkannte Pilgerunterkunft, eine von etwa 25 in Sachsen-Anhalt. Die Muschel, das bekannte Zeichen für Raststätten am Jakobsweg, ziert seit dem die Fassade. Zwischenzeitlich waren bereits Pilger aus Brasilien, den Niederlanden, Deutschland und Belgien bei den Luppenauern. 
Den Verein „Neue Wege-Miteinander“ gibt es bereits seit 1999. „Unser Ziel ist kulturelle Integration, das Fremde etwas näher bringen“, schildert Gudrun Woitke.

Menschen mit psychischen Problemen aufzufangen, war anfangs das Hauptziel des Vereins. „Zwischenzeitlich können alle zu uns kommen, die mal in geselliger Runde durchatmen wollen, auf dem Klavier spielen möchten oder lieber in einer Ecke sitzen, um zu lesen- das ist bei uns möglich“, erzählt die Vereinsvorsitzende. 
Die 61-Jährige nennt es Refugium und Insel, was da in einer verfallenen Scheune des Dorfes entstanden ist. Im Jahr 2000 war das Gebäude ein einziger Schutthaufen.

„Der Gemeinde haben wir sehr viel zu verdanken“, betont Gudrun Woitke. Heute kehren die Vereinsmitglieder und Interessenten und Pilger hier gern ein. Jedes letzte Wochenende im Monat gibt es spezielle Veranstaltungen. Alle können sich bei Musik, Tanz oder Laienschauspiel einbringen- auch die Pilger. 
Ortsbürgermeisterin Edith Uhlmann sieht das Engagement des Vereins gern. „Ich bin froh, dass ich ihn habe. Was sie machen, passt gut zu Luppenau.“

Sie denkt an die irischen Abende, an denen das ganze Dorf auf den Beinen ist, an Tanzworkshops, Seniorenzusammenkünfte. Im kommenden Jahr sollen im Garten, in dem auch zahlreiche Räder zur Ausleihe untergestellt sind, eine Bühne und eine Terrasse entstehen. Die Pilgerherberge wird dann noch attraktiver. Pilgern, die nur eine Nacht im Stroh verbringen, wird der Abschied schwer gemacht.

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